Männerwandertag ...
... war am Samstag 30. April 2022

Ja, die Wanderung hat stattgefunden.
Hier gibt es einen Bericht von unserer Wanderung mit ein paar Fotos ...

"Ein feste Burg ist unser Gott" - Männer wandern durch das Leben

Es ist Freitagnachmittag. Die Wetter-App sagt 90% Regen für den Samstag voraus. Ich warte auf eine Nachricht von Peter. 16:22 Uhr: "Hallo Eberhard, die Wanderung findet statt. Gruß Peter"
Bin etwas verwundert, freue mich aber darauf, einige Männer nach langer Zeit wiederzutreffen.

Am Samstag früh wecken mich Regentropfen auf dem Wohnmobildach. Ich frage sicherheitshalber nochmal per Socialmedia nach, Peter bestätigt aber die Entscheidung. Also verabschiede ich mich vorzeitig vom Seniorenseminar und fahre Richtung Männerwanderung. Unterwegs meldet Peter über Socialmedia, dass er am S-Bahnhof festsitzt, weil sich ein Bahnhof weiter jemand auf den Gleisen vom Leben verabschiedet hat. Nächste Ausfahrt raus, um Peter zu retten, sprich abzuholen. Manchmal muss man im Leben auf unvorhergesehenes beherzt reagieren und darf nicht lange fackeln. Die anderen Männer warten geduldig und empfangen uns am Wanderungsausgangspunkt. Zu wissen, mit wem man unterwegs ist, das ist immer gut und so erzählen wir uns kurz, wer wir sind, wie viele Kinder und Enkel wir haben und wo wir herkommen.

Ich schaue mich in der Runde um und stelle fest, dass die meisten klamottentechnisch besser aufgestellt sind als ich, na ja, immerhin trage ich wenigstens einen Anorak und ordentliches Schuhwerk. Dann geht es auch schon los. Wer zu einer Burg auf einem Berg will, muss aufwärts wandern, klar, aber muss es gleich zu Beginn so steil sein? Offenbar ja. Schritt vor Schritt und ins Gespräch mit Winfried vertieft, macht sich bei mir das mangelnde Training bemerkbar. Trotzdem führen wir die Truppe an. "Eberhard" ruft es von hinten, wir waren zu weit voraus gegangen und dürfen wieder ein paar Schritte bergab gehen zu einem Sammelplatz mit Baum, Bank und einem Gedenkstein. Manchmal ist es gut, wenn man innehält, sich besinnt, vielleicht auch in die Geschichte blickt. Thomas spricht uns besinnlich an, der andere Thomas öffnet eine Frischhaltedose und gibt jedem von uns ein kleines Stück Brot.

"Manchmal kann man sich nicht aussuchen, was man erhält" sagt der andere Thomas, "und muss es hinnehmen". Manche würde auch sagen "darf" es empfangen. Mit der Frage "Wofür bin ich dankbar?" werden wir in Zweiergruppen brüderlich zur Fortsetzung der Wanderung motiviert. Mit Jochen an meiner Seite, den ich bisher noch nicht kenne, schreiten wir voran und erzählen uns, wofür wir dankbar sind und was uns gerade so bewegt. In atemberaubender Geschwindigkeit erreicht das Gespräch eine Tiefe, wie ich es noch selten erlebt habe. Wir stellen so manche Gemeinsamkeiten in unserem Erfahrungsportfolio fest. Offenheit und die Bereitschaft, auch über eigene Schwächen zu reden, gerade unter Männern, das ist eher selten, aber wenn's stattfindet, unwahrscheinlich befreiend und wertvoll.

An einer Weggabelung wundern wir uns, warum der andere Peter, unser Wanderführer, uns den Weg weist, der abwärts führt, scheint aber schon der richtige Weg zu sein. Im Leben ist es doch auch so, es geht nicht immer bergauf. Ob nun dieses Auf und Ab eher hilfreich ist oder lästig, das entscheide jeder Lebenswanderer selbst.

Die Wege werden rauher, steiniger und mit der Zeit auch schmaler. An einem steilen schmalen Anstieg im Wald bemerkt Jochen hinter mir meine zunehmende Unsicherheit. "Magst du einen meiner Stöcke haben?" Hei, das nenne ich Freundschaft. Zunächst ist es nur eine kleine Unterstützung für mich, auf dem weiteren Weg dann aber eine sehr große Hilfe - geteilte Stöcke ist halbe Gefahr. Die noch nassen Steine sind rutschig, ich gehe sehr vorsichtig, Schritt vor Schritt, Schritt vor Schritt. Der Regen hält sich in Grenzen. Dafür nässt der Schweiß nach und nach das Hemd, ich hätte vielleicht doch zur Funktionskleidung greifen sollen. Wie sagte mein Chef immer: "Fehler darf man machen, aber nicht wiederholen". Ich nehme mir also vor, mich demnächst mal bei Decatlon besser auszustatten.

Am Gelben Felsen nähern wir uns dem Abgrund. Thomas witzelt "Gestern standen wir noch am Abgrund, heute sind wir einen Schritt weiter." Natürlich sind alle vorsichtig und entdecken verzückt, dass immer wieder das Nebelmeer aufreißt und uns einen kleinen Blick ins Tal frei gibt. Sollte die Wetter-App doch nicht Recht behalten?

An der alten Flugzeughalle auf der Anhöhe machen wir Rast. Aus den unterwegs gesammelten Ästen und einigen mitgebrachten Anzündholzstücken wird ein wärmendes Lagerfeuer entfacht, das uns wenig später eine herrliche Grillglut beschert. Wie Ideenreich Männer sein können, sieht man an den verschiedenen Grillwursthalterungen. Vom einfachen geschnitzten Ast über Teleskopspieße bis hin zur Hightechgrillzangenhalterung ist alles dabei und wird selbstverständlich genau beäugt, verglichen und die Funktionsfähigkeit analysiert. „Mag noch jemand eine Wurst? Oder ein Stück Schokolade zum Nachtisch?“ Teilen macht einfach Spaß.

Eine andere illustre Wandergruppe, diese ist gemischt unterwegs, schließt auf. Immer wieder begegnen wir uns auf dem weiteren Weg und kommen teilweise ganz nett ins Gespräch. Warum nicht auch außerhalb des eigenen Saftes offen und natürlich sein, schlimmstenfalls erweitert das halt den Horizont.

Dann endlich ist es geschafft. Mir kommt das Lied in den Sinn "Ein feste Burg ist unser Gott". Die Burg Teck lässt uns ein durch das eiserne Tor. Fast wie bestellt öffnet sich darüber jetzt auch der Himmel und wir dürfen eine fantastische Aussicht in das Lenninger Tal genießen. Aufgereiht zum Gruppenfoto stehen wir an der Burgmauer und erholen uns eine Weile von den Anstrengungen des Aufstiegs.

Mit einem zweiten Blick ins andere Tal verabschieden wir uns vom Burgfräulein und gehen einen steilen, glitschigen Weg hinab zur nächsten Attraktion. Unser Wanderführer Peter weiß viel über die Beschaffenheit des Gebirges, auf dem wir uns befinden, auch über die Geschichte der Burg und so informiert er uns in der Höhle, in die wir inzwischen eingedrungen sind, dass man einen Durchgang zur Burg vermute, aber niemand Zeit, Lust und Geld hat, wirklich danach zu suchen.

Es gibt Zeiten, in denen wir im Dunklen stehen, unbedingt weitergehen wollen, ohne ausreichende Beleuchtung und dann erfahren, dass es zwar im Prinzip einen Weg gäbe, ihn aber nicht nutzen können. Gut, dass man dann auch Schritte zurück gehen kann, sich wieder auf bekanntes Terrain begeben, vielleicht neu starten.

Wir gehen gut ausgeruht weiter, jetzt nur noch bergab, was aber mächtig in die Waden geht. Wir sollen offenbar am nächsten Tag auch noch was von der Wanderung haben. Aus dem Wald raus öffnet sich ein hügeliges Grasland, über das wir hinab ins Tal weiterwandern. Jetzt bin ich mit Jochen eher Schlusslicht. Der Hütehund von Wilfried stürmt auf uns zu, umrundet uns, blickt uns in die Augen und hechtet wieder nach vorne zum Chef. Wie gut es tut, dass jemand nach mir schaut, sich aufmerksam kümmert und sicherstellen will, dass ich noch dabei bin.

Am Ausgangspunkt angekommen danken wir den Verantwortlichen für ihre Zuversicht und die gute Vorbereitung und wir stellen uns gemeinsam unter den Segen unseres Allerhöchsten.

"Wir gehen dann jetzt noch ins Thermalbad" tönt es aus einer Ecke. Zum Glück habe ich meine Schwimmsachen im Auto und so rundet ein wunderbar entspannendes warmes Bad diesen ganz besonderen Männerwandertag ab. DANKE.  
 
Eberhard Klaiber im April 2022